Dalibor Markovic

Für die breite Masse ist er noch kein Begriff, aber in Poetry-Slam-Kreisen hat er sich bereits einen Namen gemacht: Dalibor Marković, Lautpoet, Beatboxer und Lyriker.

Was das ist? Ein Wortakrobat, der seine Texte mit rhythmischen Geräuschen unterlegt. Poesie mit Beat. Wortwitzig und wortspielerisch. "Es war schon immer mein Traum, das zu können", sagt der gebürtige Frankfurter mit kroatischen Wurzeln, "aber es hat lange gedauert, bis ich dahin kam." Seine Kunst beherrscht der 41-Jährige inzwischen so gut, dass er einen Preis nach dem anderen abräumt. Seit fünfzehn Jahren ist auf deutschen und internationalen Bühnen unterwegs. Er ist ein Botschafter für Sprachkunst und erreicht mit seiner Lyrik auch junge Menschen.

"Meine komischen Geräusche"

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Angefangen hat alles mit Beats – zu Zeiten, als es noch Kassetten gab. Schon als Zehnjähriger hat er versucht, Schlagzeug-Beats mit dem Mund nachzuahmen und erreichte damals bereits Aufmerksamkeit: "Am Anfang hab ich's immer 'meine komischen Geräusche' genannt und meine Freunde, die fanden das ja immer toll, und dann musste ich es immer machen. Und das konnte ich auch stundenlang machen, ja? Da hatte ich auch schon die Vision, dass ich das irgendwann mal mit Sprache verbinden will."


Im Laufe der Jahre hat er seine Kunst perfektioniert. Dalibor Markovic lebt in Frankfurt. Hier findet er die Themen zu seinen Gedichten. Oft geht es um ganz alltägliche Dinge wie Liebe, Handykonsum oder sein Viertel Sachsenhausen.

Inzwischen hat er es auf die großen Bühnen geschafft und gehört zu den bekanntesten Poetry Slammern Deutschlands: "1.000 Leute für eine literarische Veranstaltung - das ist ja schon mal eine Ansage", freut er sich.  

"Ich versuch's auf jeden Fall mal"

Das Besondere an ihm: Deutschlandweit gibt es nur drei Poetry Slammer, die wie er, mit Beats arbeiten. Der Rhythmus liegt dem 41-Jährigen im Blut: Sein Vater ist Jazzmusiker. Seine Eltern kommen aus Kroatien, er selbst ist in Deutschland geboren. Nach dem Abitur studiert er zunächst Philosophie, doch dann entdeckt er den Poetry Slam für sich und macht die vermeintlich "brotlose Kunst" zum Beruf.

Weitere Informationen

Dalibor Marković "Und Sie schreiben auf Deutsch?"
Preis: 15 Euro
Verlag: Voland & Quist
ISBN: 3863911461

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"Es gab nie Kohle, man hat immer in Küche im Schlafsack, Engagement - dann stetig, dass ich dann irgendwann meinen ersten Nebenjob knicken konnte, irgendwann den zweiten Job knicken konnte, und dann irgendwann sagen konnte, hier dann mach ich's halt, ich versuch's auf jeden Fall mal", erinnert er sich.

Der Versuch glückte. Seit zehn Jahren steht er nun auf der Bühne. Auch international: Johannesburg, Detroit, Mexiko-City. In Deutschland gibt es aber die größte Poetry-Slam-Szene weltweit. Das wissen nur wenige, sagt Marković. Als Botschafter für Sprache will er vor allem junge Menschen an Lyrik heranzuführen: Auch mit Gedichten von Goethe, die er ganz auf seine Art interpretiert.  

Topaktuell: der Erlkönig

Der "Erlkönig" ist für ihn wegen der Flüchtlingskrise topaktuell: "Das einfach übertragen, es passiert einfach, heute, jetzt! Dass Väter oder Mütter oder wie auch immer mit ihren Kinder auch reiten - halt auf Wellen versuchen, irgendwie in dieses Hilfeland zu kommen."

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Auch in seinen Gedichten filtert Dalibor Marković politische und gesellschaftliche Themen, entlarvt Vorurteile und Stereotypen. Vor kurzem ist sein Buch erschienen inklusive CD. Der Titel "Und Sie schreiben auf Deutsch?" ist eine Anspielung auf die ständige Konfrontation mit seinen ausländischen Wurzeln.

"Ich bin als Jugoslawe geboren, die Nationalität existiert gar nicht mehr", sagt er. "Das heißt für mich, das Konzept Nationalität ist sowieso komisch."

Dalibor Marković – der Lautpoet. Seine Gedichte sind klug und originell. Ihm zuzuhören ist ein Erlebnis.

Bericht: Wero Lisakowski

Sendung: Hauptsache Kultur, 23.01.2017, 22.45 Uhr

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