Rasha Habbal - Weiterschreiben-Preisträgerin 2020

Im Mai hat die Autorin Rasha Habbal das "Weiterschreiben-Stipendium Wiesbaden" angetreten, in diesem Jahr allerdings unter "besonderen" Bedingungen. Das Stipendium wurde vom Förderverein Literaturhaus Wiesbaden zum zweiten Mal an eine Schriftstellerin aus Syrien vergeben.

Rasha Habbal wurde 1982 in Westsyrien, inder Stadt Hama geboren. Dort hat sie bis zu ihrer Flucht 2015 gewohnt. Jetzt lebt sie mit ihrer Familie in Trier.
Rasha Habbal schreibt Lyrik und Prosa. Ihr erster Gedichtband erschien 2014 auf arabisch. In Syrien hatte waren ihre Texte auch in Zeitungen und Magazinen zu lesen. Ab 2017 erschienen ihre Gedichte und Prosatexte auch in verschiedenen deutschen Magazinen und Publikationen. Rasha Habbal erhielt als erste Autorin das Stipendium "Torschreiber am Pariser Platz" für Autorinnen und Autoren im Exil in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin.

Rasha Habbal stellt sich anlässlich des Beginns ihres Stipendiums in einem Videoportrait vor. Rasha Habbal hätte sich gerne für die Dauer des Stipendiums in Wiesbaden aufgehalten, doch nun schreibt sie an ihrem neu eingerichteten Arbeitsplatz in ihrem Gartenhaus in Trier. Ausschnitte aus Rasha Habbals Texten, die während des Stipendiums entstehen, werden wir in im Programm von hr2-kultur präsentieren.

Anfang April führte Rasha Habbal ein Gespräch mit der Wiesbadener Journalistin Dr. Viola Bolduan:

Von Mai an wollten Sie drei Monate als Stipendiatin hier verbringen – die Schließung des Literaturhauses, in dem Sie die Atelierwohnung beziehen sollten, und der Ausfall aller öffentlichen Veranstaltungen aufgrund der Corona-Krise verhindern das jetzt. Wie stellen Sie sich die Zeit Ihres Stipendiums denn nun vor? 

Rasha Habbal: Ich hoffte, die Stadt näher kennen zu lernen. Die Gedanken, die mich dabei beim Texte schreiben inspiriert hätten, wollte ich der Stadt widmen. Ich hoffte auch, nähere Kontakte zu Ihren Einwohnern zu bekommen. Die aktuelle Situation hat dies jedoch verhindert. Allerdings führt dies zu einem unerwarteten Abenteuer, z. B. mache ich regelmäßige Videoaufnahmen aus dem privaten Gartenzimmer. Dieses Zimmer habe ich in ein Büro umgewandelt, in dem ich in diesem Sommer ungestört schreiben will. Anstatt ich jetzt Euer Gast bin, seid Ihr jetzt meine Gäste.

Welche literarischen Themen wollen Sie bearbeiten? 

Rasha Habbal: Ich möchte an Prosatexten weiterarbeiten, mit denen ich direkt nach der Flucht angefangen, aber noch nicht beendet habe.

Sie haben 2015 Ihre syrische Heimat verlassen müssen und sind seitdem in Deutschland – wie haben Sie sich inzwischen hier eingelebt?

Rasha Habbal: Sicherlich habe ich angefangen, mich an das Leben hier zu gewöhnen, mein Leben neu zu sortieren und einen Leitfaden für die nahe Zukunft zu erstellen. Ich bin entspannter und offener, auch mutiger geworden. Und ich habe keine Angst um meine Kinder, bevor ich ins Bett gehe. Es ist viel passiert in kurzer Zeit: Krieg, Flucht, ungewisse Zukunft und Neustart.

Warum hat es Sie nach Ihrer Flucht ausgerechnet nach Trier verschlagen?  

Rasha Habbal: Ich hatte keinen Einfluss darauf. Mein "Schicksal" hat ein Beamter im Flüchtlingsaufnahmelager Lebach im Saarland auf Grundlage eines Verteilungsplans entschieden. Ich kannte die Stadt vorher nicht. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich sie heute wieder auswählen. Trier ist eine Stadt mit Herz und Seele, wie meine Heimatstadt Hama.

Weitere Informationen

Der Förderverein Literaturhaus Wiesbaden lobt alle zwei Jahre ein "Weiterschreiben-Stipendium" aus. Es soll Autorinnen und Autoren im deutschen Exil ermöglichen, ihre schriftstellerische Arbeit hier fortzusetzen. Die erste Stipendiatin war 2018 die syrisch-kurdische Schriftstellerin Widad Nabi.

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