Buchpreis-Gewinner Saša Stanišić

Er wird bereits mit Spannung erwartet: Saša Stanišić, der fabulierfreudige Schriftsteller, Vortragskünstler und Buchpreisträger ist neuer Poetik-Dozent in Wiesbaden. Sprechen will er über Recherche und Rückenschmerzen, die Rolle der Kräne in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und eine kommunistische Kommune in Texas – was verbirgt sich dahinter?

Was genau Saša Stanišić in mehreren öffentlichen Veranstaltungen bis Mitte Mai seinem Publikum erzählen wird, ist noch eine Überraschung. Fest steht bisher nur eines: Auch sein neues Buchprojekt wird ein Thema sein – und das hat ausgerechnet in Wiesbaden seinen Anfang genommen, in einer Auftragsarbeit des Hessischen Rundfunks.

Bereits 2017 hat der Schriftsteller nämlich im Hessischen Hauptstaatsarchiv über die "Siedlung Bettina" am texanischen Llano River recherchiert. 1847 wurde sie von einer Gruppe Intellektueller und Handwerker aus Darmstadt und Umgebung gegründet.

Die wagemutigen, kommunistisch orientierten Männer, viele von ihnen stammten aus dem Odenwald und von der Bergstraße, benannten den utopischen Ort nach der Schriftstellerin Bettina von Arnim und träumten von einem freien Leben im Wilden Westen. Ihr Projekt scheiterte grandios, schnell verkam die Siedlung zur Geisterstadt. Das Hessische Landesarchiv verfügt über zahlreiche Dokumente dazu – doch wer waren die Abenteurer, was trieb sie an?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Saša Stanišić liest aus "Nur ein Wunder kann dich tragen ..."

Der Schriftsteller Saša Stanišić
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Saša Stanišić hat, gewohnt fabulierfreudig, den Schriftsteller Alexander Büchner zum Mitreisenden gemacht. Der kleine Bruder des Revolutionärs Georg Büchner versteckt sich allerdings unter einer Perücke und im Gewand einer Köchin … Aber auch einige der tatsächlichen Siedlungsgründer aus dem Großherzogtum Hessen erhalten in Stanišićs Erzählung "Nur ein Wunder kann dich tragen in das schöne Wunderland" ein Gesicht und eine Stimme – und haben den Autor seitdem nicht mehr losgelassen.

Wer weiß, vielleicht entsteht gerade der nächste Roman des Bestsellerautors. Seinen Aufenthalt in Wiesbaden will Saša Stanišić auf jeden Fall dazu nutzen, weiter im Archiv zu recherchieren. Und die Besucher der Poetik-Vorlesungen werden mit Sicherheit etwas darüber erfahren, wie aus einer Idee ein Buch wird - oder eben nicht.

Neuer Poetikdozent

Saša Stanišić ist der neue Poetikdozent der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden. Die "Poetikdozentur junge Autoren" gibt in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Villa Clementine jedes Jahr einen Blick in die Werkstatt eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin. Gastdozenten der vergangenen Jahre waren beispielsweise Judith Schalansky, Jan Wagner und Nora Bossong.

Am 13. Februar stellte Saša Stanišić sich an der Hochschule vor, bis Mitte Mai folgen zwei Vorlesungen und zwei Lesungen.

Weitere Informationen

Termine

Ein Autor stellt sich vor
Saša Stanišić im Gespräch mit Prof. Dr. Michael May
Do., 13. Februar 2020, 12.15 Uhr
Hochschule RheinMain, Campus Kurt-Schumacher-Ring 18, Gebäude A, Clemens-Klockner-Saal, Raum 420, 3. Stock, 65197 Wiesbaden

Vorlesungen
Mi., 19. Februar 2020, 19.30 Uhr
Mi., 29. April 2020, 19.30 Uhr
jeweils in der Hochschul- und Landesbibliothek, Rheinstraße 55-57, 65185 Wiesbaden

Lesungen
Do., 2. April 2020, 19.30 Uhr
Mi., 13. Mai 2020, 19.30 Uhr
jeweils im Kulturforum, Friedrichstraße 16, 65185 Wiesbaden

Alle Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

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Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad im damaligen Jugoslawien (heute Bosnien-Herzegowina) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" wurde in 31 Sprachen übersetzt. Seitdem erschienen der Roman "Vor dem Fest", der Erzählungsband "Fallensteller" und das autobiographische Buch "Herkunft", für das er 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Für seine Werke erhielt Saša Stanišić außerdem den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse, den Rheingau Literatur Preis und viele weitere Auszeichnungen.

Der Autor lebt und arbeitet in Hamburg. 2017 war er Teil des von hr2-kultur und dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain ausgerichteten Projekts "Autoren im Transit", bei dem Schriftstellerinnen und Schriftsteller sich mit den Themen Migration und Kulturtransfer auseinandersetzten: Seine Geschichte von der gescheiterten Glückssuche im texanischen Nirgendwo entstand in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und dem Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine.

Sendung: hr2-kultur, Erzählung, 15.02.2020, 9:30 Uhr

In der Kulturszene Hessen senden wir einen gekürzten Mitschnitt seiner Poetikvorlesung.
Kulturszene Hessen, 29.03.2020, 12:04 Uhr,
Wiederholung am 04.04.2020, 18:04 Uhr

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