Collage Juan S. Guse, Leif Randt, Zoe Beck

Wie wollen wir leben – und wie werden wir leben? Die Bücher von Zoë Beck, Leif Randt und Juan S. Guse führen in fremde Sonnensysteme, in eine Mega-City mitten im Rhein-Main-Gebiet und raus aufs Land. Ob das Leben dort einmal besser oder schlechter sein wird als heute, lassen sie offen.

Der Atlantik hat sich Hunderte Kilometer weit bis zu den Bahamas zurückgezogen, und auf einmal ist alles anders. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen, die neue Hauptstadt heißt Frankfurt. Ein Metropolenplanet und ein Müllplanet konkurrieren um den besten Lebensentwurf. Der Klimawandel ist eingedämmt. Ein Pizzalieferdienst kontrolliert die Bevölkerung. Das sind natürlich nur Fantasien, Visionen einer Zukunft, wie sie drei gerade sehr erfolgreiche Autor*innen aus Hessen entwerfen.

Zoë Beck: Schöne neue Welt?

Zoë Beck, geboren 1975 in Ehringshausen im Lahn-Dill-Kreis, stürmte mit dem Thriller "Paradise City" in diesem Herbst die Bestseller-Listen. Der Roman erzählt von einer schönen neuen Welt, etwa 100 Jahre in der Zukunft. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sind zur riesigen, grünen Hauptstadt Deutschlands zusammengewachsen. Die Menschen arbeiten vollbeschäftigt 20 Stunden in der Woche und haben ihr Wohnraum-Problem und den Klimawandel längst in den Griff gekriegt. Das Leben ist perfekt – jedenfalls für alle, die sich der totalen Überwachung fügen. Und alle anderen? Denen bleibt nur die Flucht aufs Land. Für ihre Freiheit zahlen sie jedoch mit einem permanenten Überlebenskampf. Das System lässt sie fallen. Zoë Beck selbst ist nicht für’s Landleben gemacht, sagt sie. Sie hat das Dilltal längst hinter sich gelassen und lebt als Autorin, Übersetzerin, Verlegerin und Synchronregisseurin in Berlin.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Meine Lebensweise ist fürs Land nicht konform genug"

Zoë Beck
Ende des Audiobeitrags

Zoë Beck in einem TV-Beitrag von Hauptsache Kultur - zu sehen auch in der ARD-Mediathek

Leif Randt: Alles könnte auch ganz anders sein

In Berlin wohnt auch Leif Randt einen Teil des Jahres. Den anderen verbringt er in Maintal. Hier, ganz in der Nähe von Frankfurt, ist der 1983 geborene Autor aufgewachsen. Mit "Allegro Pastell" war er in diesem Jahr für den Leipziger Buchpreis und den Deutschen Buchpreis nominiert. Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte im Hier und Jetzt: Tanja und Jerome führen eine Fernbeziehung zwischen Maintal und Berlin, ihre Lebensentwürfe schwanken zwischen Jogging im naturgeschützten grünen Idyll und aufregendem Liebesleben in der Hauptstadt – entscheiden müssen sie sich weder für das eine noch das andere. Das Spiel von Wirklichkeit und Möglichkeit zeichnet auch die anderen Bücher von Leif Randt aus. "Schimmernder Dunst über Coby County" spielt an einem paradiesischen Ort, der so oder so oder ähnlich auf der Erde existieren könnte, und über den plötzlich ein großes Unglück hereinbricht. Der Science-Fiction Roman "Planet Magnon" führt die Leser in ein anderes Sonnensystem. Die Gesellschaft hier ist weder gut noch schlecht: Ein Metropolenplanet und ein Müllplanet konkurrieren um den besten Lebensentwurf. Vieles davon seien seine Wunschfantasien, sagt Leif Randt. Vieles lehne er aber auch ab. Genau wie seine Figuren lehnt der Autor es ab, sich zu entscheiden.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Meine Bücher sind parabelhaft"

Leif Randt
Ende des Audiobeitrags

Juan S. Guse: Nur noch Wüste

Auch Juan S. Guse ist vor allem ein Beobachter. "Mir geht es nicht nur ums Geschichtenerzählten", sagt er. Seine Bücher transportieren immer auch Theorien: Soziologie und Politik. Kein Wunder: Juan S. Guse, geboren 1989 in Seligenstadt, ist im Zweitberuf Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Hannover. Er hat sich also quasi nebenbei als einer der vielversprechendsten jungen Autoren in Deutschland positioniert. In seinem Debüt "Lärm und Wälder" wird das ruhige und friedliche Leben einer privilegierten Gemeinschaft bedroht. Soll die Community sich einbunkern, mit Waffengewalt verteidigen oder besser gleich zum Mond reisen? Auch im aktuellen Roman "Miami Punk" stürzt eine stabile Gesellschaft auf einmal in eine tiefe Krise: Der Atlantik hat sich über Nacht von der Küste Floridas zurückgezogen und eine Wüste hinterlassen. Kreuzfahrtschiffe rosten im Sand, die Hotels bleiben leer. Das Leben in der ehemaligen Küstenmetropole Miami wird komplett umgekrempelt und alle Karten werden neu gemischt: Werden die Stärksten sich wieder durchsetzen?

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Erst stehen Fragen, dann destillierte ich"

Juan S. Guse
Ende des Audiobeitrags

Schon immer entwerfen Schriftsteller*innen Utopien, warnen vor Gefahren oder erdenken neue Lebensentwürfe. Zoë Beck, Leif Randt und Juan S. Guse gehören einer Generation an, die mit den Büchern von Gudrun Pausewang aufgewachsen ist. Die Autorin machte in den 1980er Jahren mit ihren Jugendbüchern „Die Wolke“ und „Die letzten Kinder von Schewenborn“ das osthessische Schlitz zum Schauplatz einer beunruhigenden Zukunft. Die Gefahren der Atomkraft waren ihr großes Thema. Die Angst vor einer Nuklearkatastrophe oder einem Atomkrieg ist seitdem in den Hintergrund geraten, doch die jüngeren Autor*innen machen sich noch immer Sorgen um den Planeten: Die Klimakrise, die Herausforderungen einer globalisierten Welt, Gewalt in einer zunehmend ungleichen Gesellschaft und vor allem die Gefahren eines Überwachungsstaates sind ihre Themen. Doch ihre Bücher malen nicht Schwarz-Weiß, zeigen weder ein paradiesisches Leben noch den Untergang jeder Zivilisation.

Weitere Informationen

ARD-Themenwoche #WIE LEBEN
Bleibt alles anders?
15. bis 21. November 2020
https://www.rbb-online.de/themenwoche/
Mehr zum Thema: "Wie wollen wir leben? Land in Sicht" unter www.hr-inforadio.de

Ende der weiteren Informationen

Wie wollen wir leben? Wenn es nach Zoë Beck, Leif Randt und Juan S. Guse geht, können wir vieles ausprobieren.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit