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zum Video Es gibt sie: Bauhausarchitektur in Hessen

Bauhausvilla

Nur noch wenige originale Bauhaus-Gebäude sind in Hessen zu sehen. Die einzigen, weitgehend unbekannten originalen Villen zweier Bauhaus-Architekten stehen in Darmstadt und Wiesbaden. Marcel Breuer und Alfred Arndt entwarfen die Gebäude in den 1950er Jahren.

Bis heute strahlen sie das Lebensgefühl des Bauhauses aus: Zeitlose Eleganz und Leichtigkeit. Räume, Linien, Flächen und Sichtachsen sind zueinander in Komposition gesetzt. Und wichtig sind Kontraste: Stahlbeton und Glas, Stein und Holz. Die Häuser öffnen sich durch große Fensterflächen nach außen. Sie spiegeln die offene Haltung der Moderne. Die Übergänge von Innen nach Außen sind fließend. Natur und Architektur gehen ineinander über.

Villa Arndt in Darmstadt: Ein Kunstwerk als Kunsthalle

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Fenster der Villa Alfred Arndt in Darmstadt
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Sie liegt versteckt hinter hohen Hecken und ist von einem großen Garten umgeben – die Villa, die Alfred Arndt Mitte der 50er Jahre für Karl Ströher gebaut hat. Der Bauhausarchitekt entwarf ein sehr individuelles Haus, mit fließenden Übergängen von drinnen nach draußen und viel Raum für Licht und Natur.

Kunstarchiv Darmstadt: Gertrud und Alfred Arndt - Selbstporträt

Dieses Haus wurde 1958 fertig gestellt und Alfred Arndt hatte sich einige Besonderheiten für seinen Bauherren überlegt. Dazu gehört ein Atrium, das sich in der Mitte des Hauses befindet. Ein Innenhof, um den sich Küche und Wohnräume gruppieren - mit Beeten bepflanzt und nach oben offen, so dass Licht und Luft hineinkommen. Ein wesentlicher Bestandteil waren und sind bis heute versenkbare Fenster, die komplett im Fußboden verschwinden. Der Garten ist also in den Wohnbereich eingebunden.

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Alfred Arndt

Nach einem ersten Gespräch mit Gropius stand für ihn fest, dass er am zufällig entdeckten Bauhaus bleiben würde. Arndt studierte u.a. bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Marcel Breuer. Nachdem er zwei Jahre als freier Architekt gearbeitet hatte, kehrte er 1929 nach Dessau zurück und leitete ab 1930 die Abteilung Bau und Ausbau. Drei Jahre nach dem Krieg siedelte er mit seiner Familie nach Darmstadt über, arbeitete als Industriearchitekt und wirkte am Aufbau des Bauhaus-Archivs mit.

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Kunst spielt in diesem Haus ein große Rolle: In allen Räumen waren zu allen Zeiten Kunstgegenstände, Bilder an den Wänden oder kleine Statuen im Wohnbereich. Früher war diese Kunstgalerie mehrmals in der Woche für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Raum öffnet sich fächerförmig nach Norden. Ausgestattet mit Oberlichtern und schmalen Fensterschlitzen in den Fächerspitzen bietet er ideale Bedingungen für die Präsentation von Bildern und Grafiken.

Villa Breuer in Wiesbaden: Die bewohnbare Ikone

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Marcel-Breuer-Villa in Wiesbaden
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Der Bungalow aus dem Jahr 1954 steht in Wiesbaden. Die erste Villa, die Marcel Breuer auf demselben Grundstück bereits 1932 gebaut hatte, war während des Krieges zerstört worden. Das heutige Haus trägt den Namen "Haus Harnischmacher II", nach seinem ursprünglichen Bauherren, und folgt ganz den Grundgedanken des Bauhauses. Das kann man zum Beispiel an der Blickachse aus dem Wohnzimmer auf die am Haus entlang laufende Terrasse sehen.

Marcel Breuer

Großzügig, weit, offen, elegant, warm, einladend. Das Haus begeistert. Die hohen Räume mit ihren fast drei Metern sind in ihren Proportionen komponiert wie ein konstruktives Gemälde. Ein dreidimsionaler Mondrian oder Lazlo Moholy-Nagy. Im Zentrum befindet sich der große Wohn- und Essbereich mit seinen bodentiefen Fenstern und dem deckenhohen Kamin. Die minimalistische Strenge der Konstruktion lässt die verwendeten Farben und Materialien sehr präsent hervortreten. Weiß, sand und braun. Muschelkalk, Holz, und Glas. 

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Marcel Breuer

Er war Bauhausstudent der ersten Stunde, Erfinder der ikonischen Stahlrohrmöbel und einer der berühmtesten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mitte der 1920er Jahre wurde Breuer zunächst Leiter der Möbelwerkstatt. Ende der der 20er Jahre begann er Häuser zu entwerfen. Nach seiner Flucht aus Nazideutschland in die USA eröffnete er gemeinsam mit Walter Gropius ein Architekturbüro. In die Villen und Landhäusern, die er dort nach 1940 entwarf, ließ er amerikanische Lässigkeit und Flair mit einfließen.

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Dass sich diese Bauhausperle in so einem guten Zustand präsentiert, ist seinen heutigen Besitzern zu verdanken. Denn das Haus war eigentlich eine Ruine. Was folgte, dauerte - und kostete: Neues Dach, neue Elektrik, neue Dämmung, neues Sanitär, neue Fenster, neuer Außenputz, neue Küche, alles. Und alles, ohne die Komposition, die verwendeten Materialien, die Lichtführung zu verändern. Die Familie brauchte eine große Portion Begeisterung und Enthusiasmus für das Projekt: Wohnen im Bauhaus.

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Beide Häuser sind in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 8.4.2019, 8:45 Uhr

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