Barbara Pieroth
Bild © hr/S. Reimold

Mein Reisetipp: Genf

Dostojewski hat einmal geschrieben: Genf, das sei der Inbegriff der Langeweile. Und natürlich hat er Recht, mit seinem Urteil, bis heute: Genf ist eben nicht gerade berühmt für Hippness oder quirlige Szeneviertel - so ehrlich muss man sein. Noch ein abschätziges Zitat gefällig? Alles in Genf sei aus 18 Karat Gold.

Fontäne in Genf
Traumziel Genf Bild © picture-alliance/dpa

Das wiederum hat Graham Greene notiert. Und ja: Dieser ganze Luxus, dieses ganze Bling-Bling, tut geradezu körperlich weh. Aber dann gibt es Ecken in der Stadt, die strafen die beiden Herren Schriftsteller Lügen.

Das Genève Plage ist für mich so ein Ort, ein Freibad direkt am Genfer See, Faulenzen unter uralten Bäumen, mit Blick auf Villen, umrahmt von hohen, in der Spitze auch schneebedeckten Bergen. Das Wasser im See ist erstaunlich frisch, wie ein Gebirgsbach.

Museum Rotes Kreuz Genf
Rotes Kreuz in musealer Form - in Genf Bild © picture-alliance/dpa

Oder das Internationale Museum des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds. Auch so ein besonderer Ort. Zwölf Zeitzeugen führen durch die Ausstellung, darunter Carla del Ponte, Chefanklägerin des Jugoslawien-Tribunals. Einer der drei Ausstellungsbereiche wurde von einem japanischen Architekten ganz auf Recycling-Karton baut - mit denselben Röhren, die für Bauten nach Naturkatastrophen gebraucht werden.

Besonders eindrücklich: die hohen Karteischränke, die in einem Ausstellungsraum bis unter die Decke reichen. Darin sind Millionen handgeschriebene Kärtchen aufbewahrt mit den Namen von Gefangenen des Ersten Weltkriegs. Anhand dieser Karten lässt sich das Schicksal ein Stück weit nachverfolgen, dieser Vergessenen und bislang Namenlosen, im Abgleich mit anderen Dokumenten und Registern. Und das ist alles andere als langweilig, um nochmal auf Dostojewksi zurückzukommen.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit