"Wer behauptet, er hätte keine Zeit, lügt, oder er ist tot." Der Zeitforscher Karlheinz Geißler selbst trug keine Uhr und besaß kein Handy. Das Leben ist zu schön für Zeit und Hektik war seine Überzeugung. Der Münchner Wissenschaftler starb im November im Alter von 78 Jahren.

Stress, Ungeduld, Hetzte - Das sind die Geißel unserer Zeit. Und genau die nicht zu haben, setzen viel mit einem Statussymbol gleich - Wer keine Zeit hat, ist scheinbar wichtig. Doch für Karlheinz Geißler war klar: wer sich vom Beschleunigungswahn in unserer Gesellschaft mit geißeln lässt, versäumt das Leben.

Karlheinz Geißler beschäftigte, wie wir unsere Zeit verbringen und verschwenden, er animierte seine Mitmenschen, darüber nachzudenken. Dazu gehört für ihn in erster Linie die Pause. Auch andere Freunde der Zeit wie Warten, Langeweile oder Umwege seien keineswegs Zeitverluste, sondern Zeit-Inseln im beschleunigten Alltag.

Bis 2006 war Karlheinz Geißler Professor für Wirtschaftspädagogik an der Bundeswehruniversität in München. Geißler war Mitbegründer des Tutzinger Projekts "Ökologie der Zeit" und der "Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik". Zusammen mit seinem Sohn Jonas Geißler gründete und betrieb er ein eigenes Institut für Zeitberatung 'times and more'.

2012 war Karlheinz Geißler Gast im hr2- Doppelkopf. Im Gespräch mit Karin Röder brachte der "Zeitökologe" seine Philosophie der Zeit auf den Punkt. Wir erinnern an den 'Zeitökologen' mit der Wiederholung des Gesprächs in der Zeit "zwischen den Jahren".

Gastgeberin: Karin Röder

Wiederholung eines Gesprächs von 2012.

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 27.12.2022, 12:05 Uhr.