Provenienzforschung bedeutet, die Herkunft eines Kunstobjektes zu erforschen. Wer hat es gekauft und verkauft, wann und wo, ging es dabei mit rechten Dingen zu und wie ist es ins Museum gekommen? Das erfordert auch kriminalistisches Handwerk. Peter Forster ist im Museum Wiesbaden Leiter der Provenienzforschung. Außerdem ist er Kustos für die Alten Meister und betreut die Kunstwerke vom 12. bis zum 19. Jahrhundert sowie die Jugendstil-Sammlung.

Vor allem die Zeit ab 1933 ist in den Fokus der Provenienzforschung gerückt. Der Besitz jüdischer Familien wurde nach Abtransport und Ermordung eingesammelt, veräußert, in den Kunsthandel gegeben. Museumsdirektoren begutachteten die Ware, bezifferten ihren Wert und bereicherten sich, bzw. ihre Häuser gnadenlos. Das gilt für alle Museen in Deutschland, aber insbesondere für das Museum Wiesbaden, denn dort hatte man einen besonderen Direktor. Begabter Kunsthistoriker und Netzwerker, vor allem aber Profiteur der Verhältnisse. Herman Voss, der auch Direktor des sogenannten "Führermuseums" in Linz gewesen war.

Kustos Peter Forster schildert, welche Art von Geschäften Hermann Voss betrieben hat, und warum an manchen Kunstwerken regelrecht Blut klebt. Er berichtet aber von der langwierigen und schwierigen Suche nach Nachkommen und Erben. Wie hat sich die Forschung um die Provenienz der Arbeiten entwickelt, welche Schwerpunkte gibt es heute und wo liegen die Aufgabenbereiche für die Zukunft? Darüber spricht Peter Forster mit Stefanie Blumenbecker im hr2-Doppelkopf.

Gastgeberin: Stefanie Blumenbecker

Musikinhalt dieser Sendung:
Kevin Morby: This Is A Photograph
George Benson: Turn Your Love Around
The Charlatans: One To Another

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 06.02.2023, 12:05 Uhr.