Was ist besser: Körper oder Seele? Um den ewigen Zwist zwischen beiden dreht sich eine der ältesten Opern der Musikgeschichte: "Rappresentatione di anima, et di corpo" von Emilio de Cavalieri. Das belgische Ensemble "Vox Luminis" brachte die "geistliche Oper" beim Festival für Alte Musik in Utrecht zum Leuchten.

Anima - Stefanie True
Corpo und Tempo - Raffaele Giordani
Consiglio und Mondo - Massimo Lombardi
Intelletto - João Moreira
Piacere - Jan Kullmann
Begleiter von Piacere und Uno del choro - Roberto Rilievi
Begleiter von Piacere - Sebastian Myrus
Angelo custode - Perrine Devillers
Vita mondana - Maria Chiara Gallo
Anima damnate - Hugo Oliveira
Anima beate - Zsuzsi Tóth

Vox Luminis
Leitung: Lionel Meunier

Emilio de' Cavalieri: Rappresentatione di anima, et di corpo

(Aufnahme vom 2. September 2021 aus dem TivoliVredenburg)

Sie gilt als früheste vollständig erhaltene Oper und als die erste, die im Druck erschienen ist: "Rappresentatione di Anima, et di Corpo" wurde im Jahr 1600 in Rom aufgeführt, anlässlich der Festlichkeiten zum Heiligen Jahr. Von Musikwissenschaftlern wurde das Werk lange Zeit in die Schublade "Oratorium" gesteckt. Doch Emilio de Cavalieri schwebte von Anfang an eine szenische Umsetzung vor - und so wurde seine "geistliche Oper" mit prachtvollen Kostümen, Tänzern und einem Bühnenbild aus Erde, Himmel und Hölle uraufgeführt.

Zahlreiche allegorische Figuren treffen in diesem "Spiel von Seele und Körper" aufeinander: Darunter die Zeit, der Verstand, der gute Rat, das Vergnügen - und natürlich Körper und Seele, die gemeinsam nach dem Glück und dem ewigen Leben im Himmel suchen. Mehr als 300 Jahre lang lag Cavilieris Oper im Dornröschenschlaf, wurde erst 1912 in Rom von dem Musikwissenschaftler Giovanni Tebaldini wieder wachgeküsst - und steht, auch dank der historisch informierten Aufführungspraxis-Bewegung, inzwischen wieder häufiger auf den Spielplänen.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 18.06.2022, 20:04 Uhr.