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Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen

Eichhörnchen vergessen manchmal, wo sie ihre Vorräte vergraben haben - und dann verhungern sie im Winter. Der Filmtitel "Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen" liefert ein starkes Bild für das Thema Demenz und die Pflege dementer Menschen. In diesem Fall pflegt eine Ukrainerin, und sie muss nicht nur mit dem Kranken zurechtkommen, sondern auch noch mit der unfreundlichen bis aufdringlichen Familie.

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Hokuspokus, Holderbusch!

Früher hätte er sich geärgert über die Sirene des vorbeifahrenden Krankenwagens, den Flugzeuglärm oder das Plätschern des Brunnens. Jetzt war hr2-Musikkritiker Meinolf Bunsmann einfach glücklich, an einem warmen Sommerabend ohne Maskenzwang im Palmengarten wieder einem Konzert lauschen zu dürfen. Die Kammeroper Frankfurt brachte Werke von Engelbert Humperdinck und seinen Schülern. Und es war zauberhaft.

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Unter dem Pflaster der Morast

Das Programm war schon lange vor den Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geplant, doch jetzt rufen die "Sumpffestspiele" in der Frankfurter Naxos-Halle zwiespältige Gefühle hervor. hr2-Kritiker Mario Scalla hatte eher Mitleid mit den Schauspielern, die im Schlamm wateten, fand den Besuch dann aber doch anregend.

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Luther-Spektakel ohne die Hauptperson

Die Nibelungenfestspiele in Worms eröffnen mit einem Stück über Luther - das klingt zunächst nach einem Druckfehler. Doch es ist Lutherjahr, und an Luthers Bezug zu Worms lässt sich nicht rütteln. Die erste Überraschung: in dem Stück des Schweizer Autoren Lukas Bärfuss tritt Luther gar nicht auf. Die zweite Überraschung: Das Ganze verkommt trotz exzellenter Schauspieler zu einem ziemlichen Geschichtsklamauk.

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Frauen ohne Verfallsdatum

An den Wechseljahren lässt sich nichts ändern; dass aber alternde Schauspielerinnen kaum noch Angebote bekommen, ist ein gesellschaftliches Phänomen. Die Mitglieder von "She She Pop" sind jetzt alle um die 50. In dem Stück "Hexploitation" setzten sie sich mit ihren alternden Körpern auseinander - fest entschlossen, sich nicht von der Bühne vertreiben zu lassen.

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Ein seelisch versehrter Mensch

Der 20-jährige Patrick wird in Paris nach einer illegalen Party von der Polizei festgenommen. Im Verhör stellt sich heraus, dass er als Kind in Portugal entführt wurde und seitdem als verschollen gilt. Allmählich deutet sich an, dass er sexuell missbraucht wurde. Patrick kehrt nach Portugal zurück, bleibt aber ein Fremder in seiner Familie. hr2-Filmkritiker Ulrich Sonnenschein findet, dass man sich auf diesen Film einlassen muss, dann aber durch ein intensives Kinoerlebnis belohnt wird.

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Die Lust am Untergang

Seitdem es Menschen gibt, fürchten sie, dass die Welt untergeht. Und Katastrophenfilme sind fast so alt wie das Kino selbst: Filmpionier Georges Méliès zeigte seinen Zuschauern bereits 1902 einen Vulkanausbruch auf Martinique. Seitdem sind Katastrophenfilme aus dem Kino nicht mehr wegzudenken, ein dankbares Thema für eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum, die ironischerweise dank einer Katastrophe - Corona - um ein Jahr verspätet startet.

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Nach dem Fest

Es gibt Theaterstücke, bei denen der Regie anscheinend nichts eingefallen ist, und es gibt Theaterstücke, die leiden darunter, dass ein Regie-Einfall den nächsten jagt. So ging es hr2-Theaterkritiker Andreas Wicke mit Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" am Staatstheater Kassel. Eine solide Schauspielerleistung, aber wenn der Regisseur sich etwas mehr zurückgehalten hätte, wäre der Abend noch besser geworden.

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Großes Ausdrucksspektrum

Vier Hände am Klavier hören sich idealerweise so an, als ob eine Person spielte. Die beiden georgischen Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili lösen diesen schwierigen Anspruch meist ein. Bei einem Konzert im Rahmen des Rheingau-Musik-Festivals auf Schloss Johannisberg begeisterten sie das Publikum mit ihrem emotionalen Spiel.

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Der Ritter von der traurigen Gestalt auf dem Road Trip

In seinem letzten Roman "Quichotte" verpflanzt Salman Rushdie Don Quijote in die heutige USA. Das Staatstheater Wiesbaden hat den Roman für die Bühne adaptiert, und hr2-Theaterkritiker Mario Scalla hätte den Abend weitgehend gelungen gefunden, hätte die Regie darauf verzichtet, gegen Ende noch jede Menge eigener Einfälle einzufügen.

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Ein selten gespieltes Juwel

Die Händel-Oper "Alcina" wird selten aufgeführt. Die Handlung ist auch ziemlich beliebig -- typisch barock verlieben und entlieben sich hier alle am laufenden Band --, wäre da nicht Händels unfassbar schöne Musik. Das Staatstheater Kassel hat "Alcina" jetzt konzertant gegeben, und hr2-Kritiker Andreas Wicke kam beschwingt aus dem Theater.

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Heuchelei auf Rumänisch

"Bad Luck Banging or Loony Porn" - es hat schon seine Gründe, warum der deutsche Verleiher den Filmtitel nicht übersetzt. Eine Bukarester Geschichtslehrerin lässt sich beim Sex filmen. Das Filmchen landet in den sozialen Medien, worauf ein Sturm der Entrüstung über der Lehrerin ausbricht. Regisseur Radu Jude errang mit seiner Studie über die Doppelmoral der rumänischen Gesellschaft auf den Filmfestspielen Berlin den Goldenen Bären für den besten Film.

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Das Dilemma des Arztes

Ein Arzt hat eine Therapie gegen Tuberkulose entwickelt, kann aber nur zehn Personen behandeln. Das Thema, das George Bernard Shaw in "Doktors Dilemma" 1915 aufgriff, wirkt zunächst aktuell. Unsere Moralvorstellungen haben sich seitdem aber doch gewandelt, und auf hr2-Theaterkritikerin Ursula May wirkte die Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden ziemlich altbacken.

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Panikattacken einer Nonne

Francis Poulenc hat einen ganz eigenwilligen Stil entwickelt, mit dem er auf Abstand zur Neuen Musik des 20. Jahrhunderts hielt. In "Dialogues des Carmélites" greift er auf ein historisches Ereignis im Terror nach der französischen Revolution zurück, aber eigentlich interessieren ihn dabei nur die Angstzustände einer einzigen Nonne. Die Oper Frankfurt hat Poulencs Werk zur Aufführung gebracht. hr2-Kritiker Andreas Bomba findet, man muss sich darauf einlassen, wird dann aber reich belohnt für die Mühe.

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Von der befreienden Macht der Literatur

Die Bad Hersfelder Festspiele trauen sich was: "Der Club der toten Dichter" hat als Film mit dem großartigen Robin Williams als Lehrer Keating Maßstäbe gesetzt. Nun bringen die Bad Hersfelder Festspiele zu ihrer Eröffnung eine Bühnenfassung - übrigens als europäische Erstaufführung. Und es funktioniert. Die Hersfelder Stiftsruine bildet den passenden Hintergrund für eine großartige Ensembleleistung, die den Film fast vergessen lässt.