Audio

Kasseler Kirschkomp(l)ott: Radikal-surreale Blüten

Der Konflikt wird an diesem herrlichen Tag nicht zum Thema gemacht: Ignoranten und Nostalgiker gegen Realisten und Mutige. Anton Tchechows kritische Komödie über einen schnöden Obsthain birgt Stoff für Assoziationen. Mit viel Gefühl gelingt es Regisseur Jan Friedrich, das Verdrängen vom drohenden Verlust des alten Landguts Richtung aktuelles Geschehen zu drehen - eine Inszenierung, die das Publikum polarisiert. Unser Kritiker ist überzeugt, weil sie radikal und anspielungsreich daherkommt.

Audio

Künstlerisches Nass in der Stadt der Quellen

Wo, wenn nicht in der Landeshauptstadt, sollte sich eine Ausstellung dem Thema Wasser widmen? "Heilsbringer und Todesschlund" nennt man im Museum Wiesbaden die Schau über Kunst und Leben im Jugendstil. Manches ist bildgewaltig, aber bei vielem muss man genau hinschauen. Eine intime Schau, mit viel Meer, Strand, Freiheit und Verführung - Projektionen einer prüden Gesellschaft um 1900.

Audio

Traumhafte Mittsommernacht in Frankfurt

Es ist nicht nur ein Pflicht-Termin für Opernfreunde, sondern eine wahre Freude, im Bockenheimer Depot dieser Inszenierung von Brigitte Fassbaender zu folgen. Aus dem Shakespeare-Stoff hat Benjamin Britten vor 62 Jahren eine Oper gemacht, sie ist zeitlos schön - 15 Darsteller, das Orchester und ein Kinderchor bringen eine durch und durch berührende, kurzweilige und witzige Aufführung zustande.

Audio

Kubanerin mit vielen Identitäten

Die Komponistin Tania León bezieht ihre Anregungen aus vielen Teilen der Welt. Geboren wurde sie in Kuba; sie arbeitet in den Vereinigten Staaten; in ihrer Musik finden sich aber auch Elemente aus Afrika und der Karibik. Am 10. Mai kam sie zu einem Konzert in der Alten Oper aufgeführt vom Ensemble Modern. Und hr2-Musikkritiker Meinolf Bunsmann entdeckte erst, wie reichhaltig Leóns Musik ist, nachdem sie ihre Werke im Gespräch erläutert hatte.

Audio

Avantgardist und strenggläubiger Jude

Das Jüdische Museum in Frankfurt erinnert in einer Kabinettsausstellung an Ludwig Meidner. Dieser Maler wird in der Kunstgeschichte dem Expressionismus zugeordnet, auch wenn er diese Phase später als Irrweg abtat. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er zur Religion seiner Väter, dem Judentum. Fortan war seine Kunst von biblischen Themen bestimmt. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er im Exil, kehrte dann aber doch wieder nach Hessen zurück.

Audio

Freiheit für Belgien!

Keine andere Oper dürfte jemals eine so umstürzende, politische Wirkung gehabt haben wie "La muette de Portici" von Daniel Auber. Als der Ruf "Zu den Waffen!" erscholl, strömte 1830 in Brüssel das Publikum aus dem Opernhaus auf die Straße und veranstaltete eine wahrhafte Revolution, die zur Unabhängigkeit Belgiens führte. Ganz so durchschlagend war die Wirkung der Oper am Staatstheater Kassel zwar nicht, aber das Publikum war immer noch begeistert.

Audio

Schwelgen mit Verdi

Auf den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden ist das renommierte Teatro Petruzzelli aus Bari mit gleich zwei Verdi-Produktionen zu Gast. "Aida" ist natürlich eine der erfolgreichsten Opern überhaupt. Aber sie klingt doch wieder anders, wenn sie von Muttersprachlern aufgeführt wird. Und Experten, wie Verdi zu spielen sei, sind die Spezialisten aus Bari sowieso.

Audio

Vertreter des anderen Russland

Es gibt eine Opposition in Russland, auch wenn ihre Vertreter, wie Alexei Nawalny, inzwischen im Lager sitzen. Der kanadische Regisseur Daniel Roher hat den russischen Oppositionsführer und "Staatsfeind Nr. 1" in seinem Dokumentarfilm "Nawalny" portraitiert. Und er zeigt das Husarenstück, wie es Nawalny gelang, den auf ihn angesetzten Mördern zu entlocken, wie sie ihn umbringen wollten.

Audio

Vom Schweigen und Verschweigen im Schreiben

Judith Hermanns Romane sind von Auslassungen geprägt. Kein Wunder, dass sie das Verschweigen auch zum Thema ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen macht. Hermann schreibt an ihrem eigenen Leben entlang, und so zitierte sie in ihrer Antrittsvorlesung ständig ihren Psychoanalytiker, den sie zehn Jahre lang besucht hat. Analyse und Schreiben sind zwar nicht identisch, aber haben in ihrer Sicht doch viel gemein.

Audio

Wir steigern das Bruttowohlstandsprodukt

Der Neue Kunstverein in Gießen unterhält mit 8,5 Quadratmetern wohl die kleinste Ausstellungsfläche eines Kunstvereins in dieser Republik. Die neue Ausstellung stammt von Lucia Dellefant. Mit Postkarten, die betont harmlos daherkommen, versucht sie zu veranschaulichen, dass Wohlstand sich nicht nur in Geld ausdrückt. Besucher können die Postkarten mitnehmen und an Bundeskanzler Scholz schicken.

Audio

Einmal quer durch die Religionsgeschichte

Die Oper "Babylon" von Jörg Widmann ist bisher selten aufgeführt worden, unter anderem, weil sie einen extremen Aufwand in der Instrumentierung erfordert. Das Staatstheater Wiesbaden hat sich nun an das monumentale Werk gewagt. Und neben der babylonischen Musikverwirrung nimmt die Oper durch das Libretto des Philosophen Peter Sloterdijk für sich ein, der einen Bogen quer durch die Religionsgeschichte schlägt.

Audio

Der goldene Boden des Handwerks

Eine Ausstellung im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt widmet sich dem "Mythos Handwerk". Nicht nur die Vorteile des Handwerks kommen hier zur Sprache, etwa, dass die Produkte reparierbar sind. Auch die Nachteile werden nicht verschwiegen, zum Beispiel die hohe Unfallrate. Und so fragt die Ausstellung nach dem Verhältnis von Ideal und Wirklichkeit.

Audio

Und täglich ruft der Zeichentisch

Morgens die Lage sondieren und bis zum Redaktionsschluss um halb fünf eine fertige Karikatur abliefern. Klaus Stuttmann - dem gegenwärtig die Sonderausstellung im Caricatura Museum Frankfurt gewidmet ist - hat die letzten 30 Jahre als tagespolitischer Karikaturist zugebracht. Diese Tätigkeit ist ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er sogar im Urlaub noch täglich eine Karikatur zeichnet. Motto: Mache dich nie über die Opfer lustig!

Audio

Stehender Applaus für Grigorij Sokolow

Äußerlich unbewegt sitzt Grigorij Sokolow vor dem Klavier in der Alten Oper Frankfurt und nur die Hände und Arme bewegen sich. Aber was für ein gefühlsreiches Spiel dringt dann aus dem Flügel! Sokolow gibt sein Programm - Beethoven, Brahms und Schumann - erst kurz vor dem Auftritt bekannt. Und er belohnt seine Zuhörer dann noch mit zahlreichen Zugaben, diesmal waren es sechs an der Zahl.

Audio

Im Abwärtsstrudel des Alters

In Gaspar Noés neuem Film "Vortex" teilt sich nach der ersten Szene das Bild. Fortan verfolgt Noé das Eheleben von zwei Hochbetagten in Paris in getrennten Bildern. Sie kämpft offensichtlich mit ihrer Demenz, die er aber nicht wahrhaben will. Gaspar Noé zeigt so eine Ehe, die nicht mehr synchron läuft.

Audio

Das Stadttheater Gießen steht kopf

Zum Abschied nach 20 Jahren Amtszeit nimmt Intendantin Cathérine Miville die Zuschauer mit "Brave Kids" mit auf die Bühne. Dort dürfen sie erleben, wie geprobt und intrigiert wird. Aufgefahren wird alles, was das Stadttheater zu bieten hat - vom Multimedia-Spektakel bis zum Kinderchor. Vor allem aber gibt es jede Menge zu lachen. Zum Schluss geht der Vorhang auf und gibt den Blick auf den Zuschauerraum frei.

Audio

Nah am Wasser gebaut

Schon die Römer schätzten die Thermalquellen Wiesbadens. Vom Taunus her fließen 55 Bäche durch die Stadt, heißt es in der Ausstellung "Vom Wert des Wassers" im Museum Wiesbaden. Die Stadtbewohner merken davon in der Regel nichts, weil das Wasser ein bis mehrere Stockwerke unter dem Straßenniveau fließt. Wie wertvoll dieses Wasser ist - und nicht nur der Müllabfuhr dient - hebt diese Ausstellung ins Bewusstsein.

Audio

Horrorshow in der Alten Oper Frankfurt

Konfetti, Reis, Klopapier und eine Wasserpistole - wer so ausgerüstet ins Theater geht, strebt in die "Rocky Horror Show". Die Reinigungskräfte in der Alten Oper können einem leid tun, aber nach dem Bericht von hr2-Kritiker Meinolf Bunsmann war es ein großer Spaß, die Band war gut, die Stimmen ebenso, und was die Stimmung angeht: siehe oben! Kaum zu glauben, dass die "Rocky Horror Show" nächstes Jahr 50. Geburtstag feiert.

Audio

Ein Krankenhaus zum Wohlfühlen

David-Ruben Thies war Pfleger und hatte es eines Tages satt, nur auf das Gesundheitssystem zu schimpfen. Er studierte BWL und baute in Thüringen ein Krankenhaus nach seinen Vorstellungen. Der Aufenthalt dort soll sich wie in einem Hotel anfühlen, auch für Kassenpatienten. Die Regisseurin Antje Schneider verfolgt mit ihrem Dokumentarfilm "Vier Sterne Plus" das Projekt. Der Film hört auf, als das Krankenhaus steht. Jetzt wäre eine Folge-Dokumentation interessant, ob Thies' Vision sich auch bewährt.

Audio

Brasilianische Tanzkunst von der Straße

Der brasilianische Choreograf Bruno Beltrão hat in Deutschland viele Fans. Und so drängten sich die Zuschauer, um nach langer Corona-Pause wieder ein Tanzstück von Beltrão im Frankfurt LAB sehen zu dürfen. Anfangs stehen Tänzerinnen und Tänzer um die Bühne und bewegen sich, als ob sie versehrt seien. Dann gewinnen sie mit Hip-hop- und Breakdance-Elementen an Kraft.