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Leben in Zeiten der Seuche

Die Corona-Pandemie hat uns das Lebensgefühl vergangener Generationen wieder nahegebracht, als Seuchen zu den Tatsachen des Lebens gehörten, mit denen man zu rechnen hatte. Das Theater Willy Praml bringt einen journalistischen Text von Heinrich Heine auf die Bühne, in dem er die Reaktionen der Pariser auf die Cholera von 1832 beschreibt. Plus ça change, plus c'est la même chose.

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Kritiker, Antreiber, Medienstar

In der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt ist am 102. Geburtstag des legendären Literaturkritikers die Ausstellung „Marcel Reich-Ranicki, Ein Leben, viele Rollen“ eröffnet worden. Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 zeigt umfassend Leben und Werk jenes Mannes, der nur mit knapper Not der Ermordung durch Deutsche entkommen war. Wer Literatur und ihre Vermittlung liebt, muss sich diese klug wie anschaulich gemachte Schau über eine beeindruckende Persönlichkeit ansehen!

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Ein neues Museum für Aschaffenburg

Die Stadt Aschaffenburg öffnet ein neues Museum, das ausschließlich Christian Schad gewidmet ist. Christian Schad? Der Maler und Fotograf war ein herausragender Vertreter der "Neuen Sachlichkeit", der allemal eine Fahrt nach Aschaffenburg lohnt. Allerdings versucht das Museum nach Ansicht von hr2-Kunstkritikerin Stefanie Blumenbecker zuviel: nämlich gleich auch noch die Geschichte des 20. Jahrhunderts zu vermitteln.

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Film ohne Schnitt

Regisseur Malte Wirtz legt mit "Lichter der Stadt" einen Film ohne Schnitt vor. Das Verfahren hat große Vorbilder wie Alfred Hitchcock. Wirtz treibt es auf die Spitze, weil der Film auch keine besondere Handlung bietet: ein Flaneur lässt sich durch das abendliche Köln treiben. Die eigentliche Leistung erbringt dabei Kameramann Francisco de la Torre, der die Kamera um den Flaneur tanzen lässt.

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Zum Tanzen ins Parkhaus

Tarek Assam ist seit 20 Jahren Ballettdirektor des Stadttheaters Gießen. Zu seinen Leistungen gehört die Gründung und Leitung des Festivals "TanzArt ostwest". Nun wird Assam Gießen verlassen, und mit ihm endet dieses einzigartige Festival. Für die letzte Ausgabe luden die Veranstalter in ein Parkhaus zu einer Performance, die dieser ungewöhnlichen Bühne angemessen war.

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Beliebig kopierbar und doch einzigartig?

Digitiale Bilder sind im Prinzip beliebig kopierbar und damit für den Kunstmarkt uninteressant. "Non-Fungible Tokens" sind der Versuch, sie trotzdem einzigartig zu machen und ihnen damit Wert zu verleihen. Eine Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt erklärt die dahintersteckende Blockchain-Technologie. hr2-Kritiker Mario Scalla kann sich vorstellen, sich so ein digitales Kunstwerk in sein Wohnzimmer zu stellen.

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Apokalypse jetzt: Beton und Schmutz von Mire Lee

Die junge Ponto-Preisträgerin zeigt ungewöhnliche, schmutzige, widerborstige Welten. Sie setzt der White-Cube-Kunst der Galerien ihre eigene entgegen, eine düstere, körperliche, dröhnende und stinkende Art der Auseinandersetzung mit Wirklichkeit. Sperrig wie der Titel: "Look, I’m a fountain of filth raving mad with love" - "Seht her, ich bin ein Springbrunnen voll Dreck, rasend vor Liebe". Fluchtimpuls garantiert!

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Kunterbuntes Durcheinander mit antikem Tiefgang

Verwandlung ist überall, nichts bleibt für die Ewigkeit, alles ist im Fluss – Umwandlung, Anpassung Gestaltenwechsel – all das sind Ovids "Metamorphosen". Das Stadttheater Gießen hat dieses Thema vom ewigen Wandel und Neubeginn als rauschhaftes Fest der Sinne ins Aktuelle umgesetzt. Alle Sparten des Hauses sind beteteiligt - und Publikum und unsere Kritikerin begeistert.

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Schweine im Kreidekreis - Jelinek bleibt sich treu

Der Titel ist sperrig, "Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! Was ich sagen wollte", der Inhalt wie immer kaum erfassbar oder gar stringend: Elfriede Jelineks Stück setzt aktuelle Gesellschaftskritik in Bezug zur griechischen Antike - Homer trifft auf Adorno trifft auf Fleischfabrikant Tönnies. Regisseur Stefan Bachmann holt alles aus diesem Stück heraus - und es ist großartig, sagt unser Mann im Parkett.

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Eine gefeierte "Butterfly" und Buhs für Regie und Bild

Während der Gesang der Sopranistin Heather Engebretson frenetisch bejubelt wird, kommt die extrem minimalistische Inszenierung beim Publikum und auch bei unserem Kriktiker nicht gut an. Allzu schlicht, manchmal regelrecht verstörend erscheint die Arbeit von R.B. Schlather - was einem großartigen musikalischen Abend aber keinen Abbruch tut!

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Zickige Prinzessin sucht singenden Märchenprinzen...

Fräulein Ann von und ohne Fehl und Tadel heißt die emanzipierte junge Dame, bei den Brüder-Grimm-Festspielen erobert sie sich jenen Mann, den sie erst nicht will. Ein Märchen als Musical auf der Bühne im Schlosspark, lebendig, witzig, auch dem Publikum hat das bunte und schrille Durcheinander gut gefallen. Beste Unterhaltung!

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Finger weg von meinem Auto! - jetzt auch als Film

Schauplatz dieser deutschen Produktion ist Texas, die Schauspieler sind fast alle US-Amerikaner - und der Regisseur kommt aus dem Westerwald. Bastian Günther erzählt von einer "wahren Begebenheit", dem alljährlichen "Hands on"- Wettbewerb eines Autohändlers. Ein Film hat viel ironische, witzige und tragikkomische Szenen - nicht ernst, aber ernst zu nehmen.

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Jakub Jósef Orlinski, die helle Stimme aus dem Dunkel

Schon zwei Mal ist er in Opernproduktionen in Frankfurt gefeiert worden, jetzt war das Publikum dort aufs Neue begeistert, bei einem Liederabend des Countertenors aus Polen. Mit winzigen Einschränkungen schließt sich unser Kritiker den stehenden Ovationen an, besonders auch für den Mann am Klavier, Michał Biel.

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Damals Erbeutetes zurückgeben oder nicht?

Die ethnographische Sammlung des Oberhessischen Museums gehört mit über 1000 Objekten zu den größten und vielfältigsten in Hessen. Doch warum und auf welchem Weg kamen Objekte aus den unterschiedlichen europäischen Kolonien des Südamerikanischen und Afrikanischen Kontinents nach Gießen?

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Kasseler Kirschkomp(l)ott: Radikal-surreale Blüten

Der Konflikt wird an diesem herrlichen Tag nicht zum Thema gemacht: Ignoranten und Nostalgiker gegen Realisten und Mutige. Anton Tchechows kritische Komödie über einen schnöden Obsthain birgt Stoff für Assoziationen. Mit viel Gefühl gelingt es Regisseur Jan Friedrich, das Verdrängen vom drohenden Verlust des alten Landguts Richtung aktuelles Geschehen zu drehen - eine Inszenierung, die das Publikum polarisiert. Unser Kritiker ist überzeugt, weil sie radikal und anspielungsreich daherkommt.

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Künstlerisches Nass in der Stadt der Quellen

Wo, wenn nicht in der Landeshauptstadt, sollte sich eine Ausstellung dem Thema Wasser widmen? "Heilsbringer und Todesschlund" nennt man im Museum Wiesbaden die Schau über Kunst und Leben im Jugendstil. Manches ist bildgewaltig, aber bei vielem muss man genau hinschauen. Eine intime Schau, mit viel Meer, Strand, Freiheit und Verführung - Projektionen einer prüden Gesellschaft um 1900.

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Traumhafte Mittsommernacht in Frankfurt

Es ist nicht nur ein Pflicht-Termin für Opernfreunde, sondern eine wahre Freude, im Bockenheimer Depot dieser Inszenierung von Brigitte Fassbaender zu folgen. Aus dem Shakespeare-Stoff hat Benjamin Britten vor 62 Jahren eine Oper gemacht, sie ist zeitlos schön - 15 Darsteller, das Orchester und ein Kinderchor bringen eine durch und durch berührende, kurzweilige und witzige Aufführung zustande.

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Kubanerin mit vielen Identitäten

Die Komponistin Tania León bezieht ihre Anregungen aus vielen Teilen der Welt. Geboren wurde sie in Kuba; sie arbeitet in den Vereinigten Staaten; in ihrer Musik finden sich aber auch Elemente aus Afrika und der Karibik. Am 10. Mai kam sie zu einem Konzert in der Alten Oper aufgeführt vom Ensemble Modern. Und hr2-Musikkritiker Meinolf Bunsmann entdeckte erst, wie reichhaltig Leóns Musik ist, nachdem sie ihre Werke im Gespräch erläutert hatte.

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Avantgardist und strenggläubiger Jude

Das Jüdische Museum in Frankfurt erinnert in einer Kabinettsausstellung an Ludwig Meidner. Dieser Maler wird in der Kunstgeschichte dem Expressionismus zugeordnet, auch wenn er diese Phase später als Irrweg abtat. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er zur Religion seiner Väter, dem Judentum. Fortan war seine Kunst von biblischen Themen bestimmt. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er im Exil, kehrte dann aber doch wieder nach Hessen zurück.

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Freiheit für Belgien!

Keine andere Oper dürfte jemals eine so umstürzende, politische Wirkung gehabt haben wie "La muette de Portici" von Daniel Auber. Als der Ruf "Zu den Waffen!" erscholl, strömte 1830 in Brüssel das Publikum aus dem Opernhaus auf die Straße und veranstaltete eine wahrhafte Revolution, die zur Unabhängigkeit Belgiens führte. Ganz so durchschlagend war die Wirkung der Oper am Staatstheater Kassel zwar nicht, aber das Publikum war immer noch begeistert.