Mit ihren gerade mal 31 Jahren stand mit der französisch-dänischen Sopranistin Elsa Dreisig beim Festival in Aix-en-Provence wohl eine der jüngsten Salomes überhaupt auf der Bühne und wurde beim Debüt in ihrer "Lieblingsoper" in der düster-unterkühlten Inszenierung von Andrea Breth vom Publikum begeistert gefeiert.

Salome - Elsa Dreisig
Jochanaan - Gábor Bretz
Herodes - John Daszak
Herodias - Angela Denoke
Narraboth - Joel Prieto
Page der Herodias - Carolyn Sproule
Fünf Juden - Léo Vermot-Desroches, Kristofer Lundin, Rodolphe Briand, Grégoire Mour, Sulkhan Jaiani
Zwei Nazarener - Kristján Jóhannesson, Philippe-Nicolas Martin
Soldat - Allen Boxer
Sklave - Katharina Bierweiler

Orchestre de Paris
Leitung: Ingo Metzmacher

(Aufnahme vom 12. Juli aus dem Grand Théâtre de Provence)

"Es tut mir leid, dass Strauss diese Salome geschrieben hat. Er wird sich damit furchtbar schaden", meinte Kaiser Wilhelm, was der Komponist elegant mit der Bemerkung konterte, von diesem Schaden habe er sich die Garmischer Villa bauen können. Die 1905 in Dresden uraufgeführte Oper nach dem gleichnamigen Theaterstück von Oscar Wilde war von Beginn an ein Erfolg.

Trotz des etwas unappetitlichen Sujets - "der Kopf eines Mannes, der vom Rumpf getrennt ist, ist ein übler Anblick", wie Herodes zu bedenken gibt - und trotz der avancierten Musiksprache - "Gott, diese nervöse Musik, als wenn einem lauter Maikäfer in der Hose herumkrabbelten", wie der konservative Musiker-Vater des Komponisten nörgelte. Strauss hatte sich das Original von Wilde in der deutschen Übersetzung selbst zusammengekürzt, und so entstand ein bis heute elektrisierendes und faszinierendes literarisch-musikalisches Konglomerat aus orientalischem Kolorit, schwüler Mondscheinstimmung und wild übersteigerter ekstatischer Leidenschaft, in dem sich Text und Musik wie selten in der Oper qualitativ auf gleicher Höhe begegnen.

In Aix-en-Provence waren neben Elsa Dreisig der ungarische Bass Gábor Bretz als kraftvoll-sonorer Jochanaan, der britische Tenor John Daszak als lüstern-irrer Herodes und die vielfach bewährte deutsche Sopranistin Angela Denoke als resolut zurechtweisende Herodias zu hören. Am Pult stand der Neue-Musik-Spezialist Ingo Metzmacher, der der Aufführung die orchestral etwas ausgedünnte Version von 1929 zugrunde legte, und es so den Solisten etwas einfacher machte.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 10.12.2022, 20:04 Uhr.