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Well-ness-Stubenmusi: Bayerinnen ohne Scheu

Wer den Dialekt nicht verstehe, solle doch den Saal verlassen - aber, aber, die Mundart der drei Schwestern aus der musikalischsten Familie des Freistaats ist so schwer nicht! Die Wellküren dreschen mit allerlei Instrumenten, im dreistimmigen und absichtlich oft nicht stimmigen Gesang auf Politik und Männerherrschaft ein, beziehen das Publikum bissig mit ein und bieten auf einem Gutsausschank im Rheingau hochmusikalischen Spaß für nordmainische Saupreißn.

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Kunst im Freien: Der Städelgarten als Mini-Skulpturenpark

Diese Grünfläche war sehr in die Jahre gekommen, ungepflegt und unansehnlich. Doch wie der Schwan im Märchen strahlt sie nun, gibt dem altehrwürdigen Museum einen Rahmen. Am Frankfurter Mainufer hat man Efeu und Rasen mit solchen Kunstwerken garniert, die regionale Verbundenheit sowie den internationalen Anspruch demonstrieren - herausgeputzt und mehr als ein Vorgarten.

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Helge Schneider einmal ohne Sparringspartner

Der Titel des Abends tut nichts zur Sache; er wäre bei diesem Mann sowieso völlig sinnfrei. Nach zwei gescheiterten Anläufen wegen Corona, kam das Multitalent endlich nach Hanau ins Amphitheater, ohne Band, mit der er sich sonst Musizierduelle liefert. Und so lief er über die mit Instrumenten vollgestellte Bühne, probierte mal hier ein Xylophon, mal da einen Kontrabass aus - und steckte das Publikum auch als Alleinunterhalter in die Tasche.

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Amüsantes "Guglhupfgeschwader"

Das organisierte Verbrechen überschattet das 10-jährige Dienstjubiläum des bayrischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer... Mit "Guglhupfgeschwader" kommt die achte Verfilmung der Eberhofer-Saga nach einer Romanvorlage von Rita Falk in die Kinos. Auch wenn nicht jeder Gag zündet - Daniella Baumeister war angetan von der verschrobenen Komödie.

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Beethoven mit einem Kopfnicken

Jan Lisiecki würde "Klavier & Leitung" übernehmen, stand in der Ankündigung zu den Klavierkonzerten Beethovens auf dem Rheingau-Musik-Festival. Und tatsächlich reichte ein gelegentliches Kopfnicken von Lisiecki, um das "Chamber Orchestra of Europe" in die richtigen Bahnen zu leiten (neben dem vollen Einsatz des Konzertmeisters). hr2-Musikkritiker Meinolf Bunsmann erlebte in Wiesbaden einen rundum gelungenen Konzertabend.

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Antigone auf Studio Naxos: Respekt und -losigkeit

Das hätte einem Sophokles von heute gefallen: Sein gegen den Strich gebürsteter Klassiker mit selbstbewussten Frauen, einem unsicheren Kreon, der gar nicht böse sein möchte - und eine Inszenierung von Philipp Scholtysik, die der Handlung untreu wird, aber die Personen aktuell und feministisch würdigt. Die junge Truppe zeigt in der alten Halle mal wieder, wie man antike Stoffe angeht: Mit Freiheit, Würde, Distanz und Anspruch.

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Aus dem Leben eines chinesischen Strichers

Homosexuelle Prostitution ist in der Volksrepublik China verboten. Der österreichische Regisseur chinesischer Herkunft C. B. Yi merkte schnell, dass auch das Drehen eines Films über das Thema in der Volksrepublik keine gute Idee ist. Deswegen wich er mit den Dreharbeiten für "Moneyboys" nach Taiwan aus. Auf dem "Filmfestival Max Ophüls Preis" gewann er mit "Moneyboys" die Auszeichnungen für den besten Spielfilm sowie das beste Drehbuch.

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Ein Klavier, ein Klavier! Fluxus, wir danken Dir!

1962 gab es in Wiesbaden "Fluxus – Internationale Festspiele Neuester Musik". Wie gehen Künstler 60 Jahre später mit dem schwer zu fassenden Sujet um, dem Anspruch, dem Kunstbetrieb und seinen Ritualen subversiv zu bewegen? Und kann die Zerstörung eines Pianofortes Kunst sein, welche Rolle spielen Körperlichkeiten? Unser Mann sah in der Wiesbadener Wilhelmstraße 15 viele Klaviere, hörte viele Klänge - also eine sehr sinnliche Ausstellung. Fluxus hat in alter Frische Ideen und Bilder produziert, die sich einprägen.

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Viel nichts: Schade um den schönen Shakespeare!

Unsere Kritikerin sah eine Inszenierung der zeitlosen Verwechslungs-Verliebtheits-Komödie, die dem an sich klugen Stoff so gar nicht gerecht wurde. Die Schauspieler hangeln sich müde nur von Witz zu Witz, in der Wasserburg herrschte inhaltliche und spielerische Ebbe, obwohl Regisseurin Milena Paulovics einige gute Ideen hat und das Bühnenbild überzeugt.

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Felix und Fanny - eine Geschwisterliebe

"Die Musik wird für dich stets nur Zierde" sein, ermahnt Vater Abraham Mendelssohn 1820 seine Tochter Fanny, als die 14-jährige Komponistin werden will. Mit ihrem jüngeren Bruder Felix unterhält sie einen lebhaften Briefwechsel, aus dem Corinna Harfouch und Hanns Zischler auf dem Rheingau-Musik-Festival lasen. Und immer wieder verzweifelt Fanny fast an der selbst gestellten Aufgabe, in ihrer Zeit als Komponistin zu arbeiten.

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Mais non! So witzig ist Frankreichs Multikulti-Gesellschaft leider nicht

Der dritte Teil der schrägen Komödie spielt wieder mit dem Klischee des reaktionären Kleinbürgers, der durch den Charme seiner Schwiegersöhne zu einem besseren Menschen wird. Schön wär's! Unsere Kritikerin stört an der Konstruktion, dass in dieser all zu versöhnlichen Utopie soziale Konflikte verborgen und überspielt werden - und fragt sich, ob sich rassistische Wähler von Le Pen davon überzeugen lassen.

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Heißer Dichterwettstreit in Frankfurt

Es war der heißeste Tag des Jahres, als vor der "Offenen Kirche" St. Jakobus in Frankfurt vier Dichter und eine Dichterin zum edlen Wettstreit antraten, neudeutsch: Poetry Slam. Das Motto: "Wenn in China ein Sack Reis umfällt, schreiben wir darüber einen Text. Und er ist gut." Und als dann endlich der Regen einsetzte, stand auch der Sieger fest: Wehwalt Koslovsky, ein Urgestein der deutsch-sprachigen Slam-Bewegung.

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Malerin, Grenzgängerin, Liebling der Gesellschaft

Sie verkehrte in höchsten Kreisen, war Städel-Lehrerin, Mitglied der Frauenbewegung - und orientierte ihre Portraits eng am Markt: "Die Roederstein" zeichnet sich zwar nicht durch große Erneuerung oder gar Impressionismus aus, aber jede/r wollte von ihr gemalt werden. Das Städel zeigt die eigene Sammlung und Schätze aus Privatbesitz - eine einmalige Gelegenheit die fast vergessene Meisterin kennenzulernen. "Frei. Schaffend." heißt die Ausstellung, so wie sie eben war.

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Die Versuchung, im Ich über den Wassern zu wandeln

Für das Junge Theater der Frankfurter Naxoshalle hat Irena Kukric Iva Bdars Theaterstück "Morgen ist (vorläufig) immer da" als Performance "How to walk on water" inszeniert. Die Botschaft ist, dass die Lösung menschlicher Probleme eben nicht mit Hilfe des Internets möglich ist, sondern dass es auf humane Regungen ankommt - Assoziationen im leicht abdunkelten Raum mit bewegenden Stoffbahnen. Interessant!

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Die Nibelungen gegen den Strich gebürstet

Die Nibelungenfestspiele in Worms sind dieses Jahr zu Wasserfestspielen geworden, denn die "Hildensaga. Ein Königinnendrama" spielt zum größten Teil in einem riesigen Wasserbecken. Autor Ferdinand Schmalz hat dem uralten Stoff eine neue Perspektive abgewonnen, indem er zwei Königinnen - Brünhild und Kriemhild - in den Mittelpunkt stellt. Anstatt sich gegeneinander ausspielen zu lassen, verbünden sich die beiden.

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Humorvoll, frech und spielerisch in Offenbach

Die Hochschule für Gestaltung in Offenbach schließt traditionell das Sommersemester mit einem "Rundgang" ab. Dort zeigen Studentinnen und Studenten, womit sie sich das Jahr über beschäftigt haben. Das kann ein wassersparendes Waschbecken sein, eine Seilbahn für Offenbach oder raumfüllende Malereien. Wenn es einen Trend gibt, dann den, dass die "digital natives" in die analoge Welt zurückkehren.

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Loblied auf den Frankfurter Stehschoppen

Schriftsteller - sollte man denken - sitzen zuhause und brüten über ihren Sätzen. Bei Andreas Maier sind da Zweifel erlaubt. In der Veranstaltungsreihe des Deutschen Architekturmuseums "stadtplus" bewies der Experte für Alkohol eine stupende "Lokalkompetenz". Die erwirbt man als Mitglied des von ihm so genannten "Saufkarussells", das von Apfelweinkneipe zu Apfelweinkneipe zieht.